Ein Ort verschwindender Grenzen

Mehr als 1000 Besucher kamen am Wochenende auf den Zeltplatz im Stöcklewald, um über Themen wie Sexismus, Kapitalismus und Nationalismus zu sprechen, sich zu informieren und kritische Gedanken dazu zu machen.

Furtwangen. Das links-alternative Festival "AMS-Camp", bot nicht nur zahlreiche Workshops zum Zuhören und Diskutieren an, sondern auch ein Kulturprogramm zu aktuellen politischen Themen.

Am Eingang des Geländes stach die offene Küche ins Auge, in der freiwillige Helfer selbstverwaltend für alle Teilnehmer kochten. Organisiert wurde die Küche von den "Maulwürfen" aus Freiburg, die bereits auf vielen großen Veranstaltungen mitgeholfen hatten.

Wie überall auf dem Platz wurde auf Umweltbewusstsein geachtet. So wurden für die veganen Speisen regionale Lebensmittel verwendet.

Das Umweltbewusstsein sollte auch durch Müllstationen und "Komposttoiletten" deutlich werden. Dieses Jahr seien die Besucher sehr rücksichtsvoll und würden keinen Müll herumliegen lassen, so eine stolze Organisatorin Pia Göser.

Weiter ging es zum Info-Zelt, dem "Herzen des Camps", und dem Vernetzungszelt. Dort stellten sich linke Gruppen vor, man konnte sich kennenlernen und austauschen. Auf einer Deutschlandkarte wurde darüber informiert, woher die Gruppen zum Camp anreisen. Das Organisationsteam aus Pia Göser, Magdalena Schweizer und Adrian Lenk freute sich sehr darüber, dass die Menschen aus ganz Deutschland kamen – so etwa auch aus Hamburg.

Bereits zum vierten Mal fand das Treffen im Stöcklewald statt. Zu den Dingen, die das Team selbst aufgebaut hatte, gehörten eine Waldbühne, auf der Bands und Theatergruppen das Abendprogramm füllten, eine Tanzfläche mit Bar und ein Holzunterstand, in dem Geschlechterrollen überwunden werden sollten. Das sei ein wichtiges Thema des Camps. Man wolle eine Gesellschaft bilden, in der es keine Unterdrückungsformen wie Rassismus und Sexismus gibt.

Dieses Ziel wurde vor Ort schon im Kleinen praktiziert. So auch bei den nie rein männlichen Bands und Theatergruppen. Auch gab es einen sogenannten "Awareness- Stand" mit Ansprechpartnern für Grenzüberschreitung oder dem Umgehen mit Problemen. "Wir wollen wichtige Inhalte vermitteln, Probleme vernünftig erklären, aber auch Lösungen finden", so Lenk. "Wir müssen eine Offenheit unter den Sozialschichten schaffen, sodass jeder Mensch frei sein Leben führen kann, wie er es möchte." Deshalb sei es auch möglich, ohne Geld am Programm teilzunehmen.

Die Organisatoren wollten einen Ausgleich zwischen den Menschen mit mehr und weniger Geld schaffen. Darum war auch jeden frei gehalten, an den Ständen verschiedene Mengen zu spenden.

Der Fokus liege nicht darauf, das Camp zu vergrößern, sondern qualitativ zu verbessern.

Dennoch freuten sich die Organisatoren über die gestiegene Besucherzahl. Probleme hatte es dieses Mal zum Glück keine gegeben. Nachdem die Gruppen 2018 von einem Unwetter überrascht worden waren, war nun für ein Notfallkonzept gesorgt gewesen. Glücklicherweise ist das Wetter aber zur zehnten Ausgabe des Camps schön geblieben und das Treffen wurde zu einem vollen Erfolg.

Veröffentlichungsdatum: 
Montag, 26. August 2019 - 17:45
Autor: 
Schwarzwälder Bote
bild: 
Die Organisatoren (links) Adrian Lenk und Pia Göser freuen sich über das große Interesse der zahlreichen Besucher. Foto: Bösinger Foto: Schwarzwälder Bote